Film ab für die Zukunft: Wenn Jugendliche ihre eigenen Geschichten erzählen

Filmwerkstatt „Film your future“ beim Jugendtreff Schwetzingerstadt mit Merve Uslu-Ersoy © DTI

Was passiert, wenn die AfD an die Macht kommt? Wie lange werden wir arbeiten müssen? Und kennt Liebe wirklich keine Grenzen? In der Filmwerkstatt „Film your future“ haben 15 Jugendliche aus Mannheim ihre Fragen, Ängste und Visionen in einen Kurzfilm verwandelt. Am 15. November wird das Ergebnis beim Jungen Filmfest des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg gezeigt.

Die Zukunft ist ungewiss. Aber was wäre, wenn wir sie einfach einmal weiterdenken – auch dann, wenn die Antworten unbequem werden? Genau das haben 15 Jugendliche bei der Filmwerkstatt „Film your future“ getan. Ende September entwickelten sie im Jugendtreff Schwetzingerstadt in Mannheim einen Kurzfilm, der gesellschaftliche und persönliche Entwicklungen aufgreift, zugespitzte Szenarien entwirft und zum Nachdenken anregt.

Unterstützt von der preisgekrönten Filmemacherin Merve Uslu-Ersoy beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Fragen, die weit über den Alltag hinausreichen. Was heute selbstverständlich erscheint, könnte morgen ganz anders aussehen. Was bedeutet es, wenn politische Kräfte die Gesellschaft verändern? Welche Zukunft erwartet junge Menschen in einer Welt, in der Arbeit, Identität und technologische Entwicklungen neu verhandelt werden?

Von der politischen Dystopie bis zur grenzenlosen Liebe

Der Kurzfilm nimmt unterschiedliche Zukunftsszenarien in den Blick. Eine Szene fragt danach, was passieren könnte, wenn die AfD an die Macht käme. Andere Überlegungen richten den Blick auf die Arbeitswelt: Müssen Menschen künftig bis ins hohe Alter arbeiten – womöglich bis zum Lebensende? Welche gesellschaftlichen Vorstellungen bestimmen, wie wir leben dürfen und welche Möglichkeiten uns offenstehen?

Daneben setzt der Film einen ganz anderen Akzent. Mit dem Gedanken, dass Liebe keine Grenzen kennt, werden Fragen der sexuellen Orientierung in den Fokus gerückt: Wer darf wen lieben? Wie viel Freiheit haben Menschen bei der Gestaltung ihrer Liebe und ihres Lebens? Wir schaffen wir eine Zukunft, in der Vielfalt und Selbstbestimmung ihren Platz finden.

Auch künstliche Intelligenz gehört zu den Themen des Films. Unter dem Stichwort „The White Men AI“ wird problematisiert, wer technologische Entwicklungen prägt und wessen Perspektiven dabei sichtbar werden. Damit berührt der Film eine aktuelle Debatte: Technologie ist nicht neutral, wenn die Menschen, die sie entwickeln, und die Daten, mit denen sie arbeitet, bestimmte Sichtweisen bevorzugen oder andere ausblenden.

So treffen im Kurzfilm politische Zukunftsängste, Fragen sozialer Gerechtigkeit, persönliche Freiheit und technologische Entwicklungen aufeinander. Die Jugendlichen übernehmen nicht einfach fertige Antworten. Sie stellen Fragen, denken mögliche Konsequenzen weiter und übersetzen ihre Überlegungen in filmische Bilder.

Nicht nur Zukunft schauen, sondern Zukunft hinterfragen

Was den Kurzfilm besonders macht, ist der Blickwinkel: Hier erzählen junge Menschen von einer Zukunft, in der sie selbst leben werden. Der Film wird damit zu mehr als einem kreativen Ergebnis. Er eröffnet einen Raum, in dem gesellschaftliche Fragen diskutiert und unterschiedliche Vorstellungen von Zukunft sichtbar werden können. Die Jugendlichen lernen, komplexe Themen in Geschichten zu übersetzen, eigene Standpunkte zu entwickeln und gemeinsam ein filmisches Projekt umzusetzen. Zugleich erfahren sie, dass sie Medien nicht nur nutzen, sondern selbst gestalten und als Ausdrucksmittel für ihre Perspektiven einsetzen können.

Erste Präsentation bei „Building Futures“

Eine erste Präsentation fand am 9. Oktober 2026 beim Aktionstag „Building Futures“ in der Mannheimer Abendakademie statt. Die Veranstaltung versammelte künstlerische Arbeiten und Projekte, die sich mit Zukunftsvisionen, gesellschaftlichen Forderungen und den Gestaltungsmöglichkeiten junger Menschen beschäftigen.

Gemeinsam mit Beiträgen aus der Jugendkunstschule, dem Jugendkulturzentrum forum, GIRLS GO MOVIE und der Mädchen*arbeit wurde deutlich, wie vielfältig junge Menschen ihre Vorstellungen von morgen ausdrücken können – durch Kunst, Animation, Film und konkrete Forderungen an die Gesellschaft.

Der nächste Auftritt: das Junge Filmfest

Am Sonntag, 15. November 2026, um 14:30 Uhr wird der Kurzfilm beim Jungen Filmfest des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg in den Planken Lichtspielen gezeigt – vor dem Film RISA AND THE WIND PHONE.

Damit bringen die Jugendlichen ihre Zukunftsvisionen auf die große Leinwand und laden das Publikum ein, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu denken. Denn Zukunft ist keine fertige Geschichte. Sie lässt sich hinterfragen, neu erzählen und mitgestalten.

Vorführung: Sonntag, 15. November 2026, 14:30 Uhr, Planken Lichtspiele Mannheim. Der Kurzfilm läuft vor RISA AND THE WIND PHONE.

Informationen und Tickets beim Jungen Filmfest / IFFMH

Die Filmwerkstatt wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Türkischen Institut für Arbeit und Bildung e.V., dem Jugendtreff Schwetzingerstadt und „Maybe Tomorrow – Utopiewerkstätten für Jugendliche und junge Erwachsene“ durchgeführt. Sie war Teil der Jubiläumskampagne „Imagine Futures“ des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg und wurde im Rahmen der einander.Aktionstagen 2026 ausgerichtet.